Gegen Digitalisierung und KI

Da ich die Digitalisierung und KI (künstliche Intelligenz) als grosse Gefahren betrachte, werden in unregelmässigen Abständen Artikel zu diesem Thema erscheinen. Der erste Gedanke ist relativ harmlos, für die weiteren Artikel braucht es teilweise stärkere Nerven.

2. Gedanke: Was lehrt uns Candide von Voltaire über Digitalisierung?
Ein Buch, das sich aus dem Französischunterricht bei mir für immer ins Gedächtnis gebrannt hat, ist das Buch "Candide ou l'optimisme" von Voltaire. In diesem Buch wehrt er sich gegen seinen Gegner Leibniz. Leibniz liess sich zur Aussage verleiten, die Welt sei zwar nicht gut, aber die beste aller möglichen Welten. Zwei Jahrhunderte vor den Computern stellte sich Leibniz Gott als Riesencomputer vor. Er hatte die Aufgabe gehabt, vor der Schöpfung alle möglichen Universen durchzurechnen und daraus das beste aller möglichen entstehen zu lassen. Danach hatte er seine Schuldigkeit getan und wurde überflüssig. Aber nicht um dieses fürchterliche Gottesbild soll es gehen, sondern um "Candide".
Candide wird an verschiedenste Schauplätze geführt und sieht viele fürchterliche Dinge, vor allem Inquisition, Krieg und Sklaverei. Mit beissender Ironie und stechendem Sarkasmus führt Voltaire den Optimismus Leibniz' ad absurdum. Ein Beispiel: Voltaire zeigt das Elend, das europäische Konquistadoren auf dem amerikanischen Kontinent angerichtet haben. Aber: Wir haben nun Kaffee und Schokolade. Was sind ein paar Millionen misshandelter und toter Amerikaner, wenn wir dafür von solchen Annehmlichkeiten wie Kaffee und Schokolade profitieren! Ein schlagendes Beispiel dafür, dass unsere Welt die beste aller möglichen ist.
Man wird von wenig Elend verschont in diesem Roman. Also denkt man, dass dieses viele Schlimme nicht noch gesteigert werden kann. Doch es kommt eine Szene, in der einem das Blut noch mehr in den Adern stockt, die noch schlechter zu ertragen ist!
Candide kommt nämlich in eine Art irdisches Paradies. Dort gibt es kein Leid, aber auch keine Leidenschaft. Alles läuft genau berechnet so, wie es am besten ist. Aber die emotionale Temperatur erreicht den Gefrierpunkt! Alles dort ist antiseptisch und blutleer. Man ist sicher, sicher aber nicht nur von Gefahren, sondern auch von aller Freiheit. Wenn man weiss, was das Beste ist und alles detailliert durchorganisieren kann, warum sollte man von diesem Pfad auch nur einen Millimeter abweichen? Es geschieht das, was man ein paar Seiten weiter vorne niemals für möglich gehalten hätte: man sehnt sich fast nach den Schauplätzen des Leids zurück, denn noch schlimmer ist die sterile überintellektualisierte beste aller möglichen Welten!
Was hat das alles mit Digitalisierung und KI zu tun? Der Philosoph David Richard Precht schreibt in seinem Buch "Die künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens", dass die Propagandisten der KI wie Elon Musk oder weniger bekannte verschrobene Gestalten aus dem Silicon Valley vor allem einen Philosophen als grosses Vorbild hätten: Leibniz! Hoffen wir, dass sie nicht eine Welt entstehen lassen, die völlig leidenschaftslos, steril und ohne Freiheit ist!

1. Gedanke: Vélofahrer zahlen die Zeche für die Digitalisierung
Sicher haben Sie auch schon von einer Bank, der Post oder einer Telekomfirma einen Brief erhalten, dass es Sie in Zukunft einen oder sogar mehrere Franken kosten würde, wenn Sie auf einer Papierrechnung bestehen würden und sich diese nicht elektronisch zustellen lassen wollten. Der Gedanke dahinter: die Ewiggestrigen, die nicht voll bei der Digitalisierung mitmachen wollen, sollen gefälligst bestraft werden. Vielleicht ist Kostenwahrheit auch ein Wort, das in diesem Zusammenhang fällt. Aber: wie ist es umgekehrt? Wirten und Ladenbesitzern werden mehrere Prozente der Einnahmen durch eine Kreditkartenfirma abgebucht. Bei Kostenwahrheit müsste also allen, die mit Kreditkarten bezahlen, einen Aufschlag dazuverrechnet werden oder denjenigen, die bar bezahlen, einen Bonus gewährt werden. Das ist aber - Sie wissen es - nicht so. Warum? Die Digitalisierung sei eben unaufhaltbar, sodass es sich nicht lohne, dagegen anzukämpfen...
Eine ganz freche Art, Unschuldigen Geld aus der Tasche zu ziehen, hat jetzt bei der Zürichseefähre Einzug gehalten. Gemäss Zürichseezeitung haben sich die Preise für Vélofahrer ab 1. 1. 22 verdoppelt. Man fragt sich, warum Vélofahrer  halb so viel wie die kleinste Autokategorie bezahlen müssen, brauchen sie doch sehr wenig Platz und sind sehr leicht. Die Antwort war, dass "Manpower" wichtiger sei als der beanspruchte Platz. Also: Der Knackpunkt sind die Leute, die die Billete verkaufen. Die Abwicklung dieses Vorgangs würde mehr Zeit als früher beanspruchen, weil man bar in ein paar Sekunden bezahlt hätte, die Zahlung per Kreditkarte jedoch deutlich länger dauern würde. Sprich: die Zürichseefähre muss wegen der Digitalisierung mehr Leute einstellen, und bezahlen sollen das die Vélofahrer.

Übrigens: Jürg Grossen, Präsident der Grünliberalen, lehnt das Mediengesetz ab. Er will auch die ewiggestrigen Papierzeitungsleser bestrafen und nur Online-Zeitungen fördern. Er begründet das auch ökologisch: Papierzeitungen seien unökologisch, da sie oft von einer Zeitungsverträgerin mit Töffli verteilt würden. Ich frage mich, ob Herr Grossen schon etwas vom riesigen Energiebedarf von Serverfarmen und Rechenzentren gehört hat.

Fazit: Die Digitalisierung kommt nicht einfach wie eine Naturgewalt über uns. Sie wird gefördert mit Ihrem und meinem Geld, ohne dass wir es auf den ersten Blick bemerken. Zusätzlich werden diejenigen, die der Digitalisierung kritisch gegenüberstehen, schikaniert, wo immer möglich.